Seit Ende Mai können wir an unserer Bühne wieder proben und hatten für den 30. Mai im Bücherland eine Aufführung terminiert, die leider ausfallen musste, weil das Zuschauerinteresse offensichtlich zu gering war.
Die Premiere anlässlich unseres 60. Theatergeburtstages in diesem Jahre mussten wir bekanntlich Corona-bedingt mehrere Male verschieben. Aus demselben Grunde sind die Proben für unsere geplante Jubiläumsinszenierung im Herbst 2021 im ersten Halbjahr nicht möglich gewesen. Deshalb waren wir gezwungen eine neue Produktion in der zur Verfügung stehenden kürzeren Probenzeit einzustudieren.

Wir haben uns als Hommage zum 100. Geburtstages von Wolfgang Borchert im Mai 2021 für dessen bekanntestes Stück „Draußen vor der Tür“ in einer bearbeiteten Fassung von Peter M. Wolko als szenische Lesung mit Hörspielcharakter entschieden. Diese Produktion hat am Sonntag, 17. Oktober 2021, 19 Uhr im Ökumenischen Zentrum in Karlsruhe Oberreut zum 60. Theatergeburtstag der „Spur“ Premiere.
Borcherts Drama ist auch heute noch von bedrückender Aktualität: Posttraumatische Belastungsstörungen, Krieg, Heimkehr, Heimatlosigkeit, aber auch Lebens- und Liebeshunger sind heutzutage weiterhin Fragen von universeller Bedeutung.

Der Leiter unseres Theaters konnte im November letzten Jahres auf 65 Jahre als Theatermacher zurückblicken. Leider war es wegen der Corona-Pandemie nicht möglich, dass er dieses seltene Jubiläum auf der Bühne mit einer Premiere feiern konnte. Wir bringen daher nachstehend einen kurzen Abriss seiner ereignisreichen und erfolgreichen Historie als Theaterleiter, Regisseur und Autor, den wir als Pressemitteilung unter der Headline „Spur“-Prinzipal Peter M. Wolko 65 Jahre Theatermacher“ damals an die Medien gesandt haben.   

Dieser Tage konnte der Gründer und Leiter des Theaters „Die Spur“ Peter M. Wolko auf 65 Jahre erfolgreiches Wirken als Theatermacher zurückblicken. Leider konnte er Corona-bedingt dieses seltene Jubiläum nicht mit der Premiere seines neuen Collagenstückes „Meine Lieblingsklassiker: Shakespeare, Goethe und Lessing“ feiern. Diese musste ins nächste Frühjahr verschoben werden. Kürzlich erschien der 2. Band seiner Publikation „Theater als Gegengewicht zum Alltag“ über die Geschichte seines Theaters von 2010 bis 2020.

Der 1940 in Breslau geborene „Spur“-Prinzipal, der in Halle/Saale acht Jahre zu Schule ging, stand 1955 bei einer Theateraufführung eines humanistischen Gymnasiums in Berlin erstmals auf der Bühne. Seitdem ist das Theater die Passion seines Lebens. Nach seiner Flucht aus der damaligen DDR besuchte er mehrere Jahre ein Gymnasium mit Internat in Immenstaad am Bodensee. Dort hatte er 1959 sein Debüt als Regisseur. Nach dem frühen Tod seines Vaters war er gezwungen einen bürgerlichen Beruf zu ergreifen, den Peter M. Wolko sehr erfolgreich ausübte. 40 Jahre war der Diplom-Verwaltungswirt bei der ehemaligen Landesversicherungsanstalt Baden in leitender Position, zuletzt als Referatsleiter beschäftigt. Nach seiner Pensionierung im Oktober 2000 widmet er sich mit Leidenschaft ausschließlich dem Theater.

Seit Herbst 1960 in Karlsruhe wohnhaft, gründete er ein Jahr später das Theater „Die Spur“, das er seitdem leitet, unterstützt von seiner Frau Ulrike. Der Regisseur, Schauspieler, Dramaturg, Autor, Bühnenbildner und Theaterpädagoge eignete sich seine literatur- und theaterwissenschaftlichen Kenntnisse vor allem als Autodidakt an und ergänzte und vertiefte sein theoretisches und praktisches Wissen durch zahlreiche Theaterseminare im In- und Ausland. Seine Theaterarbeit steht von Anfang an unter dem Motto „Theater als Gegengewicht zum Alltag“.

Als Dramaturg galt Wolkos besonderes Interesse Autoren und Werken, die noch nie in Karlsruhe aufgeführt wurden. Das waren fast die Hälfte der 189 Produktionen des Theaters „Die Spur“, bei 38 Stücken handelte es sich um Uraufführungen. Im Zentrum seiner Laufbahn als Theatermacher steht  jedoch die Regiearbeit. Innerhalb seiner 65-jährigen Bühnenlaufbahn brachte Peter M. Wolko 157 Inszenierungen heraus, davon 43 die er verfasste beziehungsweise bearbeitete, und besorgte für 137 Bühnenwerke die Dramaturgie. Er spielte 50 Rollen, machte für 140 Inszenierungen das Bühnenbild und brachte es auf  2365 Vorstellungen, davon 407 Gastspiele an 81 Orten in acht europäischen Staaten.

Ein besonderes Anliegen war ihm die Pflege von Partnerschaften mit Bühnen im In- und Ausland, vor allem im benachbarten Frankreich, aber auch in Italien, Ungarn, Japan, Belgien, Russland und kurz vor deren Ende in der ehemaligen DDR, die durch zahlreiche Spielbegegnungen und Gastspiele vertieft wurden. Seit 1962 fanden  mit 14 ausländischen Bühnen 43 Theaterbegegnungen statt.

Wolko ist seit 55 Jahren mit seiner Frau Ulrike verheiratet. Die Beiden haben zwei Kinder und zwei Enkel. Tochter Petra ist in die Fußstapfen der Eltern getreten und bringt den Gesangsstudenten der Musikhochschule in Trossingen als Regisseurin und Honorarprofessorin  das schauspielerische Handwerkszeug für die Gestaltung von Bühnenfiguren bei. Enkel Julian Heinzel, der bereits einige Bühnenmusiken für die „Spur“ komponierte, studiert in Berlin an der Hochschule für populäre Musik. Sohn Matthias, der in seiner Kindheit auf Vaters Bühne schauspielerisches Talent entfaltete, ist als Umwelt und Erlebnispädagoge in der Jugendarbeit tätig.

Das leidenschaftliche Theaterengagement von Peter M. Wolko, dessen beachtliche Lebensleistung viele Jahre durch Krankheit und Handikaps  beeinträchtigt wird, schlug sich auch in zahlreichen Ehrenämtern nieder. 1972 war er Gründungsmitglied des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg, vier Jahre dessen Vizepräsident und 41 Jahre Präsidiumsmitglied. 13 Jahre gehörte er der Jury des Landespreises für Volkstheaterstücke Baden-Württemberg an und in den achtziger Jahren sieben Jahre lang zu den Koordinatoren des „Karlsruher Kulturmarkts“.

Dieses vielseitige und effiziente Schaffen ist nicht unbemerkt geblieben. Schon 1982 wurde Peter M. Wolko die Verdienstmedaille und 2018 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 1984 folgte die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg und 1991 die Ehrennadel des Verbandes der Theaterschaffenden Russlands. Der Bund Deutscher Amateurtheater zeichnete sein Wirken 2011 mit der selten vergebenen Ehrenmedaille aus und der Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg ernannte ihn dieser in Anerkennung seiner langjährigen herausragenden Verdienste zum Ehrenmitglied.