Die Premiere anlässlich unseres 60. Theatergeburtstages am 17. Oktober 2021 war ein voller Erfolg! Unsere Entscheidung, diese Corona-bedingt mehrere Male zu verschieben, hat sich gelohnt. Die Uraufführung von Peter M. Wolkos Collagenstück mit Wilhelm Borcherts bekanntem Drama „Draußen vor der Tür“ vor ausverkauftem Haus kam beim Publikum, darunter einige ehemalige Ensemblemitglieder unter den Ehrengästen, sehr gut an. Die hochaktuelle Thematik des Stückes, das nach Borchert  „kein Theater spielen und kein Publikum sehen will“, regte zu intensiven Diskussionen nach der Festpremiere an. Kulturbürgermeister Dr. Albert Käuflein würdigte die Bedeutung unseres  Theaters für die Karlsruher Kulturlandschaft unter anderem mit den Worten: „Sie haben wirklich eine Spur hinterlassen“!

Weitere Eindrücke der Aufführung vermittelt die Rezension von Sibylle Orgeldinger am 19.10.2021 in den Badischen Neuesten Nachrichten: siehe „Pressespiegel“.

Draußen vor der Tür

In seinem Grußwort im Festprogramm würdigte der baden-württembergische Ministerpräsident Wilfried Kretschmann unsere Theaterarbeit in 60 Jahren unter anderem wie folgt:

„Jeder Kulturbetrieb, ob groß oder klein, lässt diese Lebensader mit seinem Engagement pulsieren. Das gilt in besonderer Weise auch für das Theater „Die Spur“, der ältesten Amateurbühne der Stadt Karlsruhe, die in diesem Herbst ihren 60. Geburtstag feiert. Ein Bühnenjubiläum, zu dem ich als passionierter Theatergänger allen Beteiligten von Herzen gratuliere: den verantwortlichen Machern, dem gesamten Ensemble und natürlich allen Mitwirkenden vor und hinter der Bühne.

Mehr als 400 Ensemblemitglieder aus 16 Ländern sind bisher auf der Bühne gestanden und haben seit der Gründung des Theaters im November 1961 unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit für das kulturelle Leben geleistet. „Die Spur“ hat sich längst als hochgeschätzter Bestandteil der Kulturszene im Land etabliert, mit professionellem Engagement, hohem künstlerischem Anspruch und einem Spielplan, der den Bogen von zeitkritischen Stücken über Kinder- und Jugendtheater bis zu musikalischen Collagen und literarischem Kabarett spannt 

Insgesamt 190 Stücke hat „Die Spur“ in den zurückliegenden 59 Spielzeiten auf die Bühne gebracht, darunter viele Neuinszenierungen und Uraufführungen. So mancher der Darstellerinnen und Darsteller kann auf eine jahrzehntelange Theatererfahrung und Bühnenpräsenz verweisen, was in der freien Kulturszene ein eher seltenes Schauspiel ist. Auch dank ihrem großen Einsatz neben der beruflichen Tätigkeit, Ausbildung oder Studium kann die innovative Kleinbühne in diesem Jahr einen runden Theatergeburtstag feiern. Meinen Glückwunsch und toi, toi, toi für die anstehende Premiere im 60. Spieljahr.“

Die nächste Premiere unserer Bühne wird am Sonntag, 24. April 2022, 19 Uhr im Ökumenischen Gemeinzentrum Oberreut stattfinden, und zwar wieder als Uraufführung:

„Goethes unerfüllte Lieben im Leben und Werk“, Collagenstück von Peter M. Wolko mit Gedichten und Texten von Johann Wolfgang von Goethe sowie der „Marienbader Elegie“ von Stefan Zweig, dessen 80. Todestages die literarische Welt im Februar nächsten Jahres gedenkt. Außerdem feiert Ulrike Wolko mit der Festpremiere ihr 60. Bühnenjubiläum!

Goethe, der zeitlebens von Frauen angebetete Dichter, der sich meist in der Rolle des Abwehrenden und Flüchtenden erlebt hatte, verfiel mit 72 Jahren in eine schwärmerische Leidenschaft für eine junge Frau, die unerfüllt blieb. Auch in seinem Werk finden wir einige unerfüllte Lieben von Traumpaaren der Weltliteratur. So endet Werthers unglückliche Liebesleidenschaft für Lotte mit seinem tragischen Freitod und Torquato Tassos Liebe zur Prinzessin von Este bleibt unerfüllt. Auch Fausts späte Leidenschaft für Gretchen findet ein Ende in deren Selbstmord im Gefängnis. 

Peter M. Wolko hat mit Goethes „Trilogie der Leidenschaft“ und Zweigs Miniatur „Marienbader Elegie“ ein außergewöhnliches und von leidenschaftlicher, aber unerfüllter Liebe handelndes Collagenstück geschaffen.

Ulrike Wolko, die stellvertretende Leiterin des Theaters „Die Spur“, wo sie alsSchauspielerin, Sängerin, Kabarettistin,   Regisseurin, Theaterpädagogin sowie Kostüm- und Maskenbildnerei seit sechs Jahrzehnten wirkt, feiert(e) am 24. April mit der Premiere der Uraufführung von Peter M. Wolkos Collagen-Stück „Goethes unerfüllte Lieben im Leben und Werk“ mit Gedichten von  Goethe und der Novelle „Marienbader Elegie“ von Stefan Zweig im Ökumenischen Gemeindezentrum Oberreut ihr 60. Bühnenjubiläum.  Sie  war  im Frühjahr 1962 Ensemblemitglied geworden  und hatte drei Monate später ihr Bühnendebüt als Schauspielerin. 

Seitdem spielte sie, im  Hauptberuf  in jungen Jahren als Direktionssekretärin in Karlsruhe und später  als  freiberufliche Kulturmanagerin beim städtischen Kulturreferat im Veranstaltungsmanagement in der Gründungszeit des Zentrums für Medientechnologie und bei mehreren Europäischen Kulturtagen der Stadt Karlsruhe tätig, im eigentlichen „Lebens-Beruf“ 98 Rollen in 103 Stücken/Produktionen. Sie führte bei 21 Inszenierungen Regie, improvisierte für ein Stück die Musik und war bei sieben Werken für die musikalische Einstudierung zuständig, bei 156 Produktionen für die Kostüme verantwortlich sowie 115 Mal für die Maskenbildnerei und verfasste für fünf Produktionen als Autorin die Stückfassungen.

Besonders beeindruckend ist die große Bandbreite ihres Bühnenschaffens über sechs Jahrzehnte hinweg. Vor allem zeichnen die 1944 in Dresden geborene und seit 1947 in Karlsruhe wohnhafte Ulrike Wolko Kreativität, Professionalität, Vielseitigkeit, Ideenreichtum, unermüdliches Engagement, bedingungslose Intensität, Fantasie, Tatkraft, hohe Empathie und soziales Verantwortungsbewusstsein als Theaterkünstlerin aus. Sie war und ist die „Seele“ des Theaters „Die Spur“, wie sie seit Jahrzehnten im Ensemble und von Insidern bezeichnet wird.

Vor allem im Gedächtnis geblieben sind ihre besonders gelungenen Rollengestaltungen als Amalie in „Liebe übers Kreuz“ (Schumann), Kasperls Großmutter in „Neues vom Räuber Hotzenplotz“ (Preußler), Schellenbarbellin „Ballade vom Eulenspiegel“ (Weisenborn), Monica Silvs in „Ansichten eines Clowns“ (Böll/Petra Wolko), Hase im Musical „Hase und Igel“ (Ensikat), Die Polly und Jenny in „Dreigroschen – Keine Oper“ (nach Brecht/Weill),Charlotte Buff in „Die Leiden des jungen Werther“ (Goethe/Peter M. Wolko), Daja in „Nathan-Projekt“ (Lessing/Peter M. Wolko), Königin Gertrude in „Hamlet“ (Shakespeare) sowie als Elbe, Mädchen und Frau Kramer in „Draußen vor der Tür“ (Borchert/Peter M. Wolko). In zahlreichen Produktionen des literarischen Kabaretts und Collagen-Stücken trat sie als Sängerin, Sprecherin und Rezitatorin auf unter anderem im „Der kleine Prinz“ (de Saint-Exupéry),„Reinecke Fuchs“ (Goethe/Peter M. Wolko) und in dem von ihr verfassten Kinderstück „Das Hexenalphabet“ sowie als Simone de Beauvoir, Ninon Hesse, und Katia Mann

Daneben widmet sich Ulrike Wolko seit 15 Jahren der Bildenden Kunst. Sie besucht regelmäßig Malkurse in der Kunsthalle Karlsruhe und hatte 2012 die erste Einzelausstellung ihrer Bilder. Seitdem nimmt sie regelmäßig mit einigen ihrer Werke an den Veranstaltungen „Oberreuter Künstler stellen aus“ in ihrem Wohnsitz-Stadtteil teil, wo sie vor allem ihren zahlreichen Vogelbilder ausstellte.

Insgesamt wirkte sie (bis April 2022) bei 2286 Vorstellungen mit über 160.000 Besuchern von 181 Produktionen unseres Theaters, darunter 407 Gastspielen in acht Staaten, auf, vor und hinter der Bühne sehr erfolgreich mit. Bei 85 Theaterworkshops hatte sie als Theaterpädagogin einen hohen Anteil bei der Aus- und Fortbildung unserer Ensemblemitglieder. Sie war beim Aufbau und der Pflege von Partnerschaften mit fünfzehn Theatern in sieben Ländern entscheidend mitbeteiligt, nahm aktiv an 51 nationalen und internationalen Festivals teil und erhielt zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland. Im November 2003 überreichte ihr in Anerkennung ihrer langährigen „besonderen Verdienste um Volk und Staat“ als vielseitige Theaterkünstlerin der damalige Bundespräsident Johannes Rau persönlich das von ihm verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

Bereits im November 1983 war Ulrike Wolko, Mutter zweier erwachsener Kinder, für ihre vielfältigen künstlerischen Tätigkeiten im „Theater als Gegengewicht zum Alltag“ vom damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth als eine der ersten mit der neuen  Ehrenmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Im Jahre 1989 folgte in Moskau die Verleihung der Ehrennadel des Verbandes russischer Theaterkünstler und 2010 die Ehrennadel des Verbandes Amateurtheater Baden-Württemberg. Ihre Tochter Petra ist in ihre Fußstapfen getreten. Sie wurde Regisseurin geworden und vermittelt seit vielen Jahren als Honorarprofessorin den angehenden Opernsängern an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen das Handwerkszeug für das dramatische Bühnenspiel.  Ihr Enkel Julian Heinzel, der inzwischen seinen Bachelor-Abschluss mit sehr gutem Ergebnis an der Hochschule für populäre Musik in Berlin absolviert hat, macht seit einigen Jahren sehr erfolgreich die Bühnenmusik und das Sounddesign für die Produktionen des Theaters „Die Spur“, so auch von der Goethe-Uraufführung.                  

Ulrike Wolko als „Recha“ in „Nathan-Projekt“ von Peter M. Wolko/Ephraim Lessing (10/2015)

Ulrike Wolko als Rezitatorin in „Goethes unerfüllte Lieben in Leben und Werk“ von Peter M. Wolko/J. W. Goethe und Stefan Zweig (4/2022)