Spur-News + Spur-Historie

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Spur-News

Bekanntlich mussten durch die weltweite Corona-Pandemie bedingt  alle geplanten Vorstellungen unseres Theaters ab Mitte März 2020 abgesagt werden. Wie Sie unserer nachfolgenden Pressemitteilung entnehmen können, sind in dieser Spielzeit  aus organisatorischen und personellen Gründen leider keine Aufführungen mehr möglich.

Unsere 60. Spielzeit beginnt am 25. Oktober 2020, 19 Uhr im Ökumenischen Gemeindezentrum Oberreut mit der Premiere der ausgefallenen Wiederaufnahme unserer Produktion „Ohne Katia ging nichts im Haus von Thomas Mann“. 

Nach einer Mitteilung des Wissenschaftsministeriums von Baden-Württemberg von Ende Mai 2020 kann ab 1. Juni ein Probenbetrieb mit mehr als 5 Personen stattfinden. Aufgrund einer neuen Verordnung der Landesregierung bzw. des Sozialministeriums konnten wir jetzt Terminentscheidungen hinsichtlich der letzten sechs Wochen der laufenden und unserer im September beginnenden 60. Spielzeit treffen. Dies war vor allem deshalb möglich, weil wir mit unserem Kontaktmann (Engelbert Schätzle) vom Ökumenischen Gemeindezentrum Oberreut kurzfristig eine Terminvereinbarung für die Spielzeit 2020/2021 treffen konnten, wofür wir diesem sehr dankbar sind. Am 8. Juni 2020 haben wir nachstehende Pressemitteilung an die Medien zur Information unserer Zuschauer gesandt.

„Theater „Die Spur“ beendet Spielzeit – Probebetrieb vorübergehend eingestellt

Corona-bedingt ist das Theater „Die Spur“ gezwungen, seine 59. Spielzeit sofort zu beenden. Als Gastspielbühne ohne feste Spielstätte ist es der Bühne nicht möglich, die im Frühjahr ausgefallenen Vorstellungen in den nächsten Wochen nachzuholen, weil die Gastspielorte derzeit nicht in der Lage sind, die Anforderungen der Verordnung des Sozialministeriums vom 29.5.2020 auf absehbare Zeit zu erfüllen, denn sie sind für Veranstaltungen bis auf weiteres noch geschlossen.

„Die Spur“ konnte in diesem Jahr lediglich eine Aufführung kurz vor dem Veranstaltungsverbot infolge der Corona-Pandemie durchführen, die von fünf Zuschauern besucht wurde. Alle weiteren geplanten Vorstellungen mussten ausfallen.  Dadurch ist die finanzielle Situation der Kleinbühne enorm angespannt. Es wurden vom Vermieter des Requisitenlagers die Mietgebühren zwar gestundet, diese müssen aber im Spätherbst dieses Jahres beglichen werden.

Erschwerend zur derzeitigen Lage des Theaters kommt hinzu, dass nach der aktuellen Verordnung der Landesregierung  vom 26.5.2020 auch der unterbrochene Probenbetrieb für die zum Beginn der 60. Spielzeit im Herbst geplante Inszenierung von Peter M. Wolko Collagenstück „Das verführerische Kaleidoskop der Gefühle“ mit Monologen und Dialogen aus Szenen von Werken Shakespeares („Hamlet“ und „Julius Cäsar“), Goethes („Faust“) und Lessings (Nathan der Weise) sowie Musik von Julian Heinzel nicht wieder aktuell aufgenommen werden kann. Denn die zahlreichen Bedingungen und Voraussetzungen dafür können von der „Spur“ nicht erfüllt werden. So ist zum Beispiel – neben vielen anderen Bedingungen – hinsichtlich der Größe des Probenraums vorgeschrieben, dass jedem Schauspieler eine „Fläche von 10 bis 40 Quadratmetern zur Verfügung stehen soll, in die niemand anderes eintritt, das heißt näher als 1,5 Meter kommt.“

Die Bühne hat daher den Wiederbeginn des Probenbetriebes für die geplante Produktion auf September verschoben. Bis dahin wären nur konzeptionelle und Textproben sowie statische Szenen von Einzeldarstellern mit Mund-Nasen-Schutz und unter Beachtung des strengen Hygienekonzepts möglich. Erschwerend kommt für „Die Spur“ hinzu, dass 75 Prozent der Mitwirkenden des Stückes zur sogenannten Risikogruppe gehören und eine besonders strenge Befolgung der staatlich verordneten Proberegelungen erforderlich machen. Die Premiere des Collagen-Stückes wurde vom Theater auf Anfang März nächsten Jahres verschoben.“

 „Spur“-Historie

Das Theater „Die Spur“ wurde im November 1961 von Peter M. Wolko als freie Gruppe gegründet. Es ist ein geschätzter Bestandteil der Karlsruher Kulturszene sowie der von Baden-Württemberg. „Die Spur“ war von 1964 bis 2016 die Bühne des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe und von 1982 bis 2016 im Jubez am Kronenplatz beheimatet. Seitdem agiert das Theater als semiprofessionelle Kleinbühne und spielt ab Januar 2018 im Bücherland in der Karlsruher Oststadt und gastiert im Ökumenischen Gemeindezentrum in Oberreut sowie im Studio Rabus in Durlach. Sie bringt pro Spielzeit drei Inszenierungen/Wiederaufnahmen heraus. Der Bühne gehören derzeit sechs Theaterleute an, die ihre kulturelle Arbeit neben der beruflichen Tätigkeit, Schule oder im Ruhestand ausüben. Sie verstehen ihr künstlerisches Schaffen als Gegengewicht zum Alltag und leisten damit einen besonderen Beitrag zur Erreichung der Schlüsselkompetenz Kultur.

Der Anspruch des Ensembles an die Bühnenproduktionen unter professionellen Bedingungen ist – auch durch jahrelange intensive Ausbildung – permanent gewachsen und hat es in die Semiprofessionalität geführt. Auf der „Spur“-Bühne stehen Darsteller mit über 15-jähriger Theatererfahrung, was in der freien Kulturszene beispielhaft sein dürfte. „Die Spur“ ist eine innovative Kleinbühne unter professioneller Leitung, deren Kompetenz und künstlerischer Anspruch sich auch im Niveau des Spielplans manifestieren. Sie arbeitet bei der Fortbildung der Schauspieler mit Theaterprofis zusammen. Bisher fanden über 90 Theaterworkshops statt.

Der Spielplan der „Spur” spannte sich  von HBild 2 Die Spur Nathan Projektans Sachs bis Heinrich Böll und enthält Stücke von Fernando Arrabal bis Thornton Wilder. Ein besonderes Augenmerk galt früher der Pflege des dramatischen Schaffens von Anton Tschechow und Jean Tardieu bzw. gilt seit zwei Jahrzehnten Günther Weisenborn.

Wichtige Autoren waren: Carlo Goldoni, Georges Feydeau, James Saunders, Eugène Ionesco, Sophokles und Dario Fo, Bertolt Brecht, Tankred Dorst, Christine Brückner, Michael Ende, Jean Genet, Botho Strauß, William Shakespeare, J. W. von Goethe, Edward Albee und G. E. Lessing sowie Kurt Tucholsky und Erich Kästner im Kabarett bzw. im Kinder-und Jugendtheater insbesondere Otfried Preußler, Friedrich Karl Waechter, Pauline Mol, Wilfrid Grote, Paula B. Mader, Ken Campbell, Gotthard Kuppel,  Antoine de Saint-Exupéry und Lutz Hübner. Als Grundtendenz des Spielplans er letzten Jahre hat sich eine Mischung aus absurden und zeitkritischen Stücken sowie anspruchsvoller Unterhaltung herauskristallisiert. Daneben waren die Pflege des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters sowie des literarischen Kabaretts viele Jahrzehnte Spielplan-Schwerpunkte.

Neben engen Kontakten zu Theatern in Deutschland, Belgien, Frankreich und Japan kooperiert(e) „Die Spur” mit ausländischen Bühnen, und zwar in Straßburg/Frankreich, Forli/Italien, Kaposvar/Ungarn, Krasnodar und Sotschi, beide Russland. Von 1983 bis 1994 fanden in diesem Rahmen 27 Auslandsgastspiele und 29 Theaterbegegnungen im In- und Ausland statt. Bei nationalen und internationalen Festivals vertrat „Die Spur” 56 mal die Kulturszene der Stadt Karlsruhe, des Landes Baden-Württemberg bzw. Deutschlands und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 1989 gehörte das Theater beim Wettbewerb kommunaler Bürgeraktionen in Baden-Württemberg zu den PreistrBild 3 - Die Spur. Das Hexenalphabet jpegägern und erhielt zudem einen Sonderpreis.  Zum 40. Theater-Geburtstag im Jahre 2001 wurde „Die Spur” für ihre Verdienste um das Amateurtheater vom Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg mit der Ehrenmaske ausgezeichnet. Zweimal war „Die Spur“ an den Europäischen Kulturtagen Karlsruhe (1994 und 2006) beteiligt. Im Jahre 1996 erhielt die Bühne für ihre ausländische Partnerschaftspflege und Ensemble-Ausbildung einen Förderpreis des (ehemaligen) Süddeutschen Rundfunks.

Bild 4 - Die Spur. Zähmung des Steppenwolfs. jpegDas Theater „Die Spur” hat in seinen bisher 58 Spielzeiten insgesamt 189 Inszenierungen/ Neuinszenierungen von 158 Stücken/Collagen und 26 Kabarett (15)-, Musiktheater (7)- und Pantomime (4)-Programmen herausgebracht, und zwar davon 38 als Uraufführungen, 53 als Karlsruher Erstaufführungen sowie 53 im Kinder- und Jugendtheater und 67 in der „Studio-Reihe”.

Die bisher über 2 400 Aufführungen sahen 161 500 Zuschauer in sieben Staaten, davon über 42 000 die 568 Vorstellungen im Kinder- und Jugendtheater. 404 Gastspiele führte „Die Spur” an 81 Orten in Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn, Belgien, Russland (früheren Sowjetunion) sowie der ehemaligen DDR durch, 166 davon im ländlichen Raum bzw. in Heilbädern von Baden-Württemberg.

„Die Spur” war 1972 Gründungs- bzw. ist seitdem Mitglied des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. bzw. über diesen im Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) und gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Kinder- und Jugendtheater Karlsruhe e.V. Bluemix“, wo sie bis zu dessen Schließung (2004) elf Inszenierungen herausbrachte. Der Theaterleiter Peter M. Wolko und seine Stellvertreterin sind beide Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

„Innovation und Tradition, verbunden mit Persönlichkeitsnähe und hohem persönlichem Engagement – darin liegt die Einzigartigkeit und Stärke der ältesten Amateurbühne der Stadt […] Das kleine Theater hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten in der fascettenreichen Kunst- und Kulturszene in Baden-Württemberg seine eigene unverwechselbare Spur gezogen. […] In den fünfzig Jahren seines Bestehens haben die Mitglieder des Theaters “Die Spur” unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit auf kulturellem Gebiet geleistet. Dafür gelten Ihnen allen mein Dank und meine ausdrückliche Anerkennung.” [1]

[1] Stefan Mappus MdL, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg (2011)