Spur-News + Spur-Historie

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Spur-News

Unsere 58. Spielzeit starten wir am 20. Oktober 2018, 19 Uhr mit einem Gastspiel im Oberreuter Gemeindezentrum, wo wir die Wiederaufnahme der literarisch-musikalische Collage von Peter M. Wolko mit „Georg Friedrich Händels Auferstehung“ von Stefan Zweig (aus: „Sternstunden der Menschheit“) und Musik von Händel und Zeitgenossen für Trompete und Cembalo zeigen. 

Die Angaben zu weiteren Stücken und die genauen Aufführungstermine veröffentlichen wir auf unserer Webseite Ende August 2018.

Am 19. Juli 2018 überreichte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup dem Leiter unseres Theaters Peter M. Wolko das ihm vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 

Nachstehend unsere Pressemitteilung vom 22.7.2018:

Theatermacher aus Passion

Peter M. Wolko mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Am 19. Juli überreichte Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup im Palais Solms in Karlsruhe dem Gründer und Leiter des Theaters „Die Spur“Peter M. Wolko das ihm vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz. Einen „ganz außergewöhnlichen Anlass“ nannte der Rathauschef das besondere Ereignis im Leben des Theatermachers, der weit mehr getan habe, als eine Rolle einzunehmen und meinte damit ausdrücklich nicht dessen Auftritte auf der Bühne als Schauspieler. Denn Wolko war und ist auch Theaterleiter, Regisseur, Dramaturg, Theaterpädagoge, Autor und Bühnenbildner.

„Sie haben auch mit geringen Mitteln hervorragende Theaterarbeit geleistet und ihr Theater mit Kreativität und Hingabe zu einer hervorragenden Institution gemacht“, lobte Dr. Mentrup den Theatermenschen. Dabei sei Wolkos frühere Tätigkeit als Referent der Geschäftsführung, Pressereferent und Referatsleiter bei einem Sozialversicherungsträger und als Dozent für Verwaltungsrecht womöglich „mit die theaterfernste Tätigkeit“, die man sich vorstellen könne, stellte der Oberbürgermeister vor den zahlreichen Gästen schmunzelnd fest.

Für Peter M. Wolko ist die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz der Höhepunkt in einer langen Reihe von Auszeichnungen: Bundesverdienstmedaille, Landesehrennadel und zahlreiche Anerkennungen und Würdigungen durch den Landesverband Amateurtheater und den Bund Deutscher Amateurtheater sowie den Verband russischer Theatermacher.

Wolko hatte 1961 in Karlsruhe das Theater „Die Spur“ als freies Theater gegründet, das sich über die Jahre einen Ruf als semiprofessionelle Bühne erarbeitete und zum geschätzten Bestandteil des Karlsruher Theaterlebens und zum Kulturbotschafter der Fächerstadt in Europa wurde. Seine Theaterarbeit stand von Anfang an unter dem Motto „Theater als Gegengewicht zum Alltag“. Diese Idee richtete sich an Theaterbegeisterte, die das darstellende Spiel nicht als Beruf betreiben wollen. Dabei hatte die Aus- und Fortbildung seines Ensembles durch Theaterworkshops im In- und Ausland für ihn unbedingte Priorität.

Innerhalb seiner 63-jährigen Bühnenlaufbahn brachte Peter M. Wolko 155 Inszenierungen heraus, davon 44 die er als Autor verfasste oder bearbeitete, und besorgte für 134 Bühnenwerke die Dramaturgie. Seit 1955 spielte er über 50 Rollen und machte für 136 Inszenierungen das Bühnenbild. Als Theatermacher war er an über 2320 Vorstellungen beteiligt und 405 Gastspiele führten ihn in über 80 Orte in acht europäische Staaten. Ein besonderes Anliegen ist ihm seit fünf Jahrzehnten das Zustandekommen und Pflege von Partnerschaften mit Bühnen im In- und Ausland, vor allem im benachbarten Frankreich, aber auch in Italien, Ungarn, Japan, Belgien, Russland und der ehemaligen DDR, die durch zahlreiche Spielbegegnungen und Gastspiele vertieft wurden.

Das leidenschaftliche Theaterengagement von Peter M. Wolko schlug sich in zahlreichen Ehrenämtern nieder. Er war 1972 Gründungsmitglied des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg, vier Jahre dessen Vizepräsident und über 40 Jahre Präsidiumsmitglied. Als Mitglied des Präsidiums des Bundes Deutscher Amateurtheater von 1974 bis 1983 hat er – für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig – die Fachzeitschrift „Spiel & Bühne“ ins Leben gerufen und als Schriftleiter auf ein publizistisch hohes Niveau gebracht, dass auch in der Fachwelt ein positives Echo fand und das Amateurtheater in Deutschland bekannter machte.

Peter M. Wolko war schon in der Schulzeit „unheilbar vom Theatervirus infiziert“ sagte er unter anderem beim Empfang der Stadt. Und ohne seine Frau Ulrike würde es die Kleinbühne „Die Spur“ „nicht 57 Jahre lang bis heute geben“.


 „Spur“-Historie

Das Theater „Die Spur“ wurde im November 1961 von Peter M. Wolko als freie Gruppe gegründet. Es ist ein geschätzter Bestandteil der Karlsruher Kulturszene sowie der von Baden-Württemberg. „Die Spur“ war von 1964 bis 2016 die Bühne des Stadtjugendausschusses e.V. Karlsruhe und von 1982 bis 2016 im Jubez am Kronenplatz beheimatet. Seit März 2016 agiert das Theater als semiprofessionelle Kleinbühne und spielt im Karlsruher Allee-Hotel. Sie bringt pro Spielzeit zwei Inszenierungen und eine Wiederaufnahmen heraus. Der Bühne gehören derzeit sechs Theaterleute an, die ihre kulturelle Arbeit neben der beruflichen Tätigkeit, Schule oder im Ruhestand ausüben. Sie verstehen ihr künstlerisches Schaffen als Gegengewicht zum Alltag und leisten damit einen besonderen Beitrag zur Erreichung der Schlüsselkompetenz Kultur.

Der Anspruch des Ensembles an die Bühnenproduktionen unter professionellen Bedingungen ist – auch durch jahrelange intensive Ausbildung – permanent gewachsen und hat es in die Semiprofessionalität geführt. Auf der „Spur“-Bühne stehen Darsteller mit über 15-jähriger Theatererfahrung, was in der freien Kulturszene beispielhaft sein dürfte. „Die Spur“ ist eine innovative Kleinbühne unter professioneller Leitung, deren Kompetenz und künstlerischer Anspruch sich auch im Niveau des Spielplans manifestieren. Sie arbeitet bei der Fortbildung der Schauspieler mit Theaterprofis zusammen. Bisher fanden über 90 Theaterworkshops statt.

Der Spielplan der „Spur” spannte sich  von HBild 2 Die Spur Nathan Projektans Sachs bis Heinrich Böll und enthält Stücke von Fernando Arrabal bis Thornton Wilder. Ein besonderes Augenmerk galt früher der Pflege des dramatischen Schaffens von Anton Tschechow und Jean Tardieu bzw. gilt seit zwei Jahrzehnten Günther Weisenborn.

Wichtige Autoren waren: Carlo Goldoni, Georges Feydeau, James Saunders, Eugène Ionesco, Sophokles und Dario Fo, Bertolt Brecht, Tankred Dorst, Christine Brückner, Michael Ende, Jean Genet, Botho Strauß, William Shakespeare, J. W. von Goethe, Edward Albee und G. E. Lessing sowie Kurt Tucholsky und Erich Kästner im Kabarett bzw. im Kinder-und Jugendtheater insbesondere Otfried Preußler, Friedrich Karl Waechter, Pauline Mol, Wilfrid Grote, Paula B. Mader, Ken Campbell, Gotthard Kuppel,  Antoine de Saint-Exupéry und Lutz Hübner. Als Grundtendenz des Spielplans er letzten Jahre hat sich eine Mischung aus absurden und zeitkritischen Stücken sowie anspruchsvoller Unterhaltung herauskristallisiert. Daneben waren die Pflege des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters sowie des literarischen Kabaretts viele Jahrzehnte Spielplan-Schwerpunkte.

Neben engen Kontakten zu Theatern in Deutschland, Belgien, Frankreich und Japan kooperiert(e) „Die Spur” mit ausländischen Bühnen, und zwar in Straßburg/Frankreich, Forli/Italien, Kaposvar/Ungarn, Krasnodar und Sotschi, beide Russland. Von 1983 bis 1994 fanden in diesem Rahmen 27 Auslandsgastspiele und 29 Theaterbegegnungen im In- und Ausland statt. Bei nationalen und internationalen Festivals vertrat „Die Spur” 56 mal die Kulturszene der Stadt Karlsruhe, des Landes Baden-Württemberg bzw. Deutschlands und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 1989 gehörte das Theater beim Wettbewerb kommunaler Bürgeraktionen in Baden-Württemberg zu den PreistrBild 3 - Die Spur. Das Hexenalphabet jpegägern und erhielt zudem einen Sonderpreis.  Zum 40. Theater-Geburtstag im Jahre 2001 wurde „Die Spur” für ihre Verdienste um das Amateurtheater vom Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg mit der Ehrenmaske ausgezeichnet. Zweimal war „Die Spur“ an den Europäischen Kulturtagen Karlsruhe (1994 und 2006) beteiligt. Im Jahre 1996 erhielt die Bühne für ihre ausländische Partnerschaftspflege und Ensemble-Ausbildung einen Förderpreis des (ehemaligen) Süddeutschen Rundfunks.

Bild 4 - Die Spur. Zähmung des Steppenwolfs. jpegDas Theater „Die Spur” hat in seinen bisher 56 Spielzeiten insgesamt 185 Inszenierungen/ Neuinszenierungen von 157 Stücken/Collagen und 26 Kabarett (15)-, Musiktheater (7)- und Pantomime (4)-Programmen herausgebracht, und zwar davon 35 als Uraufführungen, 52 als Karlsruher Erstaufführungen sowie 53 im Kinder- und Jugendtheater und 61 in der „Studio-Reihe”.

Die bisher über 2 400 Aufführungen sahen 161 000 Zuschauer in sieben Staaten, davon über 42 000 die 568 Vorstellungen im Kinder- und Jugendtheater. 404 Gastspiele führte „Die Spur” an 81 Orten in Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn, Belgien, Russland (früheren Sowjetunion) sowie der ehemaligen DDR durch, 166 davon im ländlichen Raum bzw. in Heilbädern von Baden-Württemberg. 

„Die Spur” war 1972 Gründungs- bzw. ist seitdem Mitglied des Landesverbandes Amateurtheater Baden-Württemberg e.V. bzw. über diesen im Bund Deutscher Amateurtheater e.V. (BDAT) und gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins „Kinder- und Jugendtheater Karlsruhe e.V. Blutmix“, wo sie bis zu dessen Schließung (2004) elf Inszenierungen herausbrachte.

„Innovation und Tradition, verbunden mit Persönlichkeitsnähe und hohem persönlichem Engagement – darin liegt die Einzigartigkeit und Stärke der ältesten Amateurbühne der Stadt […] Das kleine Theater hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten in der fascettenreichen Kunst- und Kulturszene in Baden-Württemberg seine eigene unverwechselbare Spur gezogen. […] In den fünfzig Jahren seines Bestehens haben die Mitglieder des Theaters “Die Spur” unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit auf kulturellem Gebiet geleistet. Dafür gelten Ihnen allen mein Dank und meine ausdrückliche Anerkennung.” [1]

[1] Stefan Mappus MdL, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg (2011)