DRAUSSEN VOR DER TÜR

Drama von Wolfgang Borchert in einer Bearbeitung von Peter M. Wolko als szenische Lesung mit Hörspielcharakter und Musik von Julian Heinzel

Im Zentrum der Handlung steht der deutsche Kriegsheimkehrer Beckmann, dem es nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft nicht gelingt, sich wieder ins Zivilleben einzugliedern. Während er noch durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges geprägt ist, haben seine Mitmenschen die Vergangenheit längst verdrängt. Auf den Stationen seiner Suche nach einem Platz in der Nachkriegsgesellschaft richtet Beckmann Forderungen nach Moral und Verantwortung an verschiedene Personentypen, Gott und den Tod. Am Ende bleibt er von der Gesellschaft ausgeschlossen und erhält auf seine Fragen keine Antwort.

Beckmann ist kein Einzelschicksal, er ist „einer von denen“, ein zeitloser Typus. Er ist Zeuge und literarischer Beleg dafür, dass Kriege dem Menschen genau das nehmen, was dieser zum Leben braucht: Glaube, Liebe und Hoffnung. Er ist als vollkommen vereinsamter, von Gott und der Gesellschaft ausgestoßener Mensch in der Mitte des Geschehens. Die anderen Figuren dienen ihm nur als Spiegel seiner Seele, es kommt zu keinem wirklichen Dialog mit den Mitmenschen. Das Drama ist ein einziger Monolog mit seinen Mitmenschen und ein immer wieder kehrender Schrei. An die Der Schluss bleibt offen.

Borcherts Stück ist auch heute noch von bedrückender Aktualität: Posttraumatische Belastungsstörungen, Krieg, Heimkehr, Heimatlosigkeit, aber auch Lebens- und Liebeshunger sind weiterhin Fragen von universeller Bedeutung. Das Drama ist eine Mixtur aus Wirklichkeit, Allegorie und Traum, die ihren Effekt aus den Wechselwirkungen der einander entgegengesetzten Realitätsebenen gewinnt. Ort und Zeit der Handlung ordnen das Stück in der Realität ein, Beckmann ist ebenso wie die anderen auftretenden Figuren durch die Wirklichkeit geprägt und geschädigt.

Der Dramenaufbau des Stückes erinnert an ein mittelalterliches Mysterienspiel. Der Mensch steht zwischen Himmel und Totenreich, zu Hölle sei hingegen das Leben selbst geworden. Dem Prolog schließen sich ein Vorspiel und Traum an. Ein Nachspiel ist nicht vorhanden. Der Schluss bleibt offen, die Auflösung dem Zuschauer überlassen. Die bearbeitete Fassung von Peter M. Wolko fügt dem Drama, das als Rückblende erzählt wird, einen hoffnungsvollen Schluss an und schließt den klassischen Dramenaufbau damit ab.

Während der Einbeinige für Beckmann zur Verkörperung der Vergangenheit und seiner Verantwortung wird, sehen Experten im Anderen „eine der rätselhaftesten Figuren im deutschen Drama der Moderne“. Er werde von Beckmann – anders etwa als die Elbe – nicht geträumt, trete aber auch nicht in der Realität auf. Er ist quasi ein Teil Beckmanns oder dessen Alter Ego. Für Beckmann stellt er den Mitmenschen dar und weist über sein spezielles Schicksal hinaus. Beckmanns Träume und traumhafte Elemente durchdringen regelmäßig die Realität der Handlung.

In der szenischen Einrichtung von Peter M. Wolko, der auch die Figur Der alte Mann (Gott) verkörpert, präsentieren Marcel Seekircher (Beckmann), Ulrike Wolko (Elbe, junge Frau, Mutter, Frau Kramer und Erzählerin) und Michael Casper-Müller (Beerdigungsunternehmer/Tod, Der Andere, Der Oberst) eine szenische Lesung mit Hörspielcharakter der besonderen Art – auch als Hommage an Wolfgang Borchert.

WA-Premiere: 20. März 2022, 19 Uhr im Ökumenischen Zentrum Oberreut, Bernhard-Lichtenberg-Straße 46-48

Gastspiel: 26. März 2022, 19 Uhr im Bücherland, Gerwigstr. 35

GOETHES UNERFÜLLTE LIEBEN IM LEBEN UND WERK

Collagenstück von Peter M. Wolko mit Gedichten + Texten von Johann Wolfgang von Goethe sowie der „Marienbader Elegie“ von Stefan Zweig

Goethe, der zeitlebens von Frauen angebetete Dichter, der sich meist in der Rolle des Abwehrenden und Flüchtenden erlebt hatte, verfiel mit 72 Jahren in eine schwärmerische Leidenschaft für eine junge Frau, die unerfüllt blieb. Auch in seinem Werk finden wir einige unerfüllte Lieben von Traumpaaren der Weltliteratur. So endet Werthers unglückliche Liebesleidenschaft für Lotte mit seinem tragischen Freitod und Torquato Tassos Liebe zur Prinzessin von Este bleibt unerfüllt. Auch Fausts späte Leidenschaft für Gretchen findet ein Ende in deren Selbstmord im Gefängnis. 

Unter dem Titel „Trilogie der Leidenschaft“ hat Goethe im Jahre 1827 erstmals drei Gedichte zusammengefasst, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aus verschiedenen Anlässen in den Jahren 1824 und 1824 entstanden waren. „So kam es denn, dass alle drei jetzt beisammen stehenden Gedichte von demselbigen liebesschmerzlichen Gefühle durchdrungen worden und jene Trilogie der Leidenschaft sich bildete, ich wusste nicht wie“, berichtete Goethe über seine Komposition. Das erste Gedicht „An Werther“ wurde im März 1824 als Einleitung einer 50-jährigen Jubiläumsausgabe des „Werther“ verfasst. Das letzte Gedicht der Trilogie, das als erstes noch im böhmischen Marienbad Mitte August 1823 entstanden war, fand unter dem Titel „Aussöhnung“ seinen Platz als Ausklang der großen Liebesklage. Den Mittelteil der Trilogie mit dem Titel „Elegie“ schrieb Goethe Anfang September 1823 auf der Rückfahrt von Karlsbad nach Thüringen in der Reisekutsche. Der Anlass war die endgültige Trennung Goethes von der 19-jährigen Ulrike von Levetzow. 

Diesem Ereignis und wie es dazu kam hat Stefan Zweig, dessen 80. Todestages die literarische Welt im Februar 2022 gedenkt, in seiner berühmten Sammlung von historischen Begebenheiten „Sternstunden der Menschheit“ unter dem Titel „Die Marienbader Elegie“ eine reizende Novelle gewidmet.

Peter M. Wolko hat mit Goethes „Trilogie der Leidenschaft“ und Zweigs Miniatur ein außergewöhnliches und von leidenschaftlicher, aber unerfüllter Liebe handelndes Collagenstück geschaffen. In seiner szenischen Einrichtung verkörpern Ulrike Wolko, die mit der Premiere ihr 60. Bühnenjubiläum feiert, und Michael Casper-Müller die interessanten Figuren des Stückes, musikalisch begleitet von Julian Heinzels kongenialer Musik. 

Premiere der Uraufführung: 24. April 2022, 19 Uhr im Ökumenischen Zentrum Oberreut, Bernhard-Lichtenberg-Straße 46-48

Gastspiel: 7. Mai 2022, 19 Uhr im Bücherland, Gerwigstr. 35

OHNE KATIA GING NICHTS IM HAUSE VON THOMAS MANN

Literarisch-musikalische Collage von Peter M. Wolko mit Briefen von Katja, Thomas und Klaus Mann sowie Texten von Tilman Lahme, Holger Pils und Kerstin Klein sowie Inge und Walter Jens und Musikimprovisationen  für Flügelhorn    

Thomas Mann war in sein Werk vertieft. Seine Frau Katia kümmerte sich um alles. Sie rät und ermutigt, schickt Geld und scharfe Worte – ihre sechs Kinder, vor allem Erika und Klaus, suchen ihren Platz in der weiten Welt, in der sie vor Hitler fliehen mussten. Ihre Briefe erzählen vom politischen Kampf und vom Schreiben, von Unglück und Drogen, von Eifersucht und Liebe. In den zum großen Teil unbekannten Briefen treten die einzelnen Persönlichkeiten besonders deutlich hervor und verbinden sich zu einem facettenreichen Familienportrait. Außerdem gewähren sie einen Einblick in den turbulenten Familienalltag der Manns sowie in den Literaturbetrieb und die Zeitgeschichte.

Unsere Briefauswahl beschränkt sich auf die sogenannten Deutschen Jahre im Zeitraum von 1920 bis 1933, als das Ehepaar Katja und Thomas Mann aus Deutschland emigrierte und in Küsnacht bei Zürich eine Wohnung bezog sowie die Jahre des Schweizer Exils bis 1938. „Maßgeblich für die Auswahl der Briefe war ihr Inhalt, ihre Stimmen- und Themenvielfalt, der familienbiographische Neuigkeitswert, die zeitgeschichtliche Bedeutung und die Bezüge zu den Werken der Familienmitglieder“. Die Briefe sind dem Familienportrait „Die Briefe der Manns“, ausgewählt, herausgegeben und umsichtig kommentiert von Tilmann Lahme, Holger Pils und Kerstin Klein. Außerdem verwenden wir Zitate aus der Biographie „Frau Thomas Mann – Das Leben der Katharina Pringsheim“ von Inge und Walter Jens.

Die Uraufführung der Produktion war eine weitere Fortsetzung unserer Reihe „Starke Frauen der Literaturgeschichte“. In der szenischen Einrichtung von Peter M. Wolko verkörpern Ulrike Wolko, Michael Casper-Müller und Marcel Seekircher die Figuren der schreibenden Familie Mann, musikalisch umrahmt von Wilhelm Brabletz (Trompete). 

Gastspiele werden im 2. Halbjahr 2022 terminiert